Das Flachs- oder Darrhaus - Chronik der Gemeinde Dörfel

Die Chronik der Gemeinde Dörfel wurde in den Jahren 1921 - 1957 von Kurt Jokisch erstellt.
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Das Flachs- oder Darrhaus

Ums Jahr 1800 wurde in Dörfel ein Flachsbrechhaus errichtet. Es stand in der Ecke am nördlichen Gemeindewald, in der Nähe der jetzigen Talstraße.


Das Gebäude war eingeteilt in eine Brechstube, zwei Darrstuben, zwei kleine Aufenthaltsräume und eine Ofenanlage zum Darren des Flachses.


Der Flachs wurde doppelt in jeder Darrstube eingesetzt, d. h. ungefähr 2 m hoch aufgestapelt. Mittags gegen 2 Uhr wurde vom Darrmann Feuer gemacht, das man um 7 Uhr abends ausgehen ließ. In dem Darrhaus konnte sich während dieser Zeit niemand aufhalten.


Nachts 12 Uhr begann in dem Brechhaus durch die Brecher und Dreher die Bearbeitung des Flachses.


In den letzten Jahren der Benutzung des Brechhauses, etwa 1889 waren 17 Brecher und 6 Dreher beschäftigt. Die Dreher hatten den gedarrten Flsachs mit der Drehmaschine zu bearbeiten. Nachdem durch diese Maschine der Flachs gehörig geknickt worden war, erhielten ihn die Brecher, die ihn mit der Handbreche weiter bearbeiteten.


Der so gelöste Flachs wurde in die Spinnerei geliefert.


Jeder Brechherr, das waren die flachsbauenden Bauern, der Flachs brachte, hatte jeden Tag 2 Brote und eine Kanne Schnaps für die Brecher zu liefern.


Wenn eine Darrstube geleert war, begann mit Gesang und Gebet das Essen.


Mit der 2. Darrstube war man morgens genau 8 Uhr fertig.


Für ein Bündel Flachs (5 Pfund) bekamen die Dreher 5 Pfennig, die Brecher 10 Pfg.


Nach dem Brechen wurde der Flachs am Vormittag aufgeröstet. Ein Schock kostete jedem Bauer 1 Pfennig zur Gemeindekasse. Von Ende September bis Ende Dezembder jeden Jahres wurde in dem Brechhaus gearbeitet und täglich ungefähr 110 bis 140 Schock Flachs zubereitet.


Der Darrmann wurde von der Gemeinde bestimmt und hatte die Verwaltung im Brechhaus.
Dieses Haus ist im Jahre 1896 abgebrochen worden, da der Flachsbau zurückging und Arbeitskräfte für diese Arbeit nicht mehr zu haben waren.


Ein zweites Brechhaus befand sich damals im Oberdorfe.

copyright (c) 2011 / 2012 Gert Süß
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